Babylon an einem Tisch

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Babylon an einem Tisch

Von Stefan Heinze (20.11.2014)

 

Sich kennenlernen, Fremdheit überwinden, Brücken bauen: Das war am Buß- und Bettag in der Johannes-der-Täufer-Kirche möglich. Rund 100 Gäste mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kamen zu einem Gastmahl zusammen.

Uetze. „Ich bin total begeistert, dass wir heute so viele Menschen sind.“ Mit diesen Worten begrüßte Pastorin Heidrun Kück-Witzig die Gästeschar im Kirchenschiff.Deutschstämmige und Uetzer anderer Herkunft waren etwa zu gleichen Teilen gekommen. Wie vielfältig die kulturellen Wurzeln der Gäste waren, war an den Sprachen zu hören, in die an dem Abend übersetzt wurde. Dolmetscher für Kurdisch, Arabisch, Serbokroatisch, Persisch und Englisch sorgten dafür, dass alle verstehen konnten, was gesprochen wurde.  Dazu gehörte die kurze Ansprache von Bürgermeister Werner Backeberg, die mit dem Appell endete: „Integration kann nur gelingen, wenn aus Nachbarn Freunde werden.“  Die Diakonin Karin Lawrenz sorgte mit Fragen wie „Was vermissen Sie in Deutschland?“ oder „Was ist typisch deutsch?“ dafür, dass Besucher aus ihrem neuen Leben berichteten. „Wir haben hier unseren Frieden und unsere Freiheit“, sagte einer der Gäste. „Ich vermisse meine Familie“, ein anderer. Babylon-an-einem-TischEin gebürtiger Syrer brachte Mitgefühl für die Flüchtlinge zum Ausdruck: „Ich hoffe, dass die deutsche Bevölkerung die syrische Bevölkerung unterstützt.“  Kulinarische Einblicke in andere Kulturen machte das von den Besuchern bestückte große Büfett möglich. Damit die Gäste auch etwas über die Kirche der Johannes-der-Täufer-Gemeinde erfuhren, gab es Führungen, bei denen in den Landessprachen zentrale Elemente wie der Altar, der Taufstein und die Orgel erklärt wurden. Für den musikalischen Rahmen sorgten der Sänger Ibrahim Keivo, der auf der Saz, einer Langhalslaute spielte. Aus der Ukraine stammte die Pianistin Christina Gasanova.  Veranstaltet wurde der Abend von der Kirchengemeinde und der Gemeinde Uetze. Einer ähnlichen Einladung der beiden Veranstalter in die Mensa des Schulzentrums waren im Frühjahr rund 60 Gäste gefolgt. „Das Fremde soll uns bereichern und nicht fürchten machen“, erklärte Kück-Witzig das Ziel dieser multikulturellen Begegnungen.