Die Religionsgemeinschaft der Mandäer in der heutigen Zeit

von Prof. Dr. Sabih Alsohairy

28. Feb. 2010

„Im Namen des Erhabenen Lebendigen„

Als Vorsitzender der mandäischen Gemeinde in Deutschland / Nürnberg möchte ich mich für die ehrenwerte Einladung von der Ezidischen Akademie ganz herzlich bedanken. Ich werde Ihnen heute einen kurzen Überblick über die religiöse  mandäische Gemeinde geben.

Wir Mandäer sind eine religiöse Minderheit, die bis heute im Irak und Iran sowie weltweit in der Diaspora lebt.

Unsere Gemeinde umfasst weltweit etwa 70.000 Mitglieder, wobei die meisten in der Diaspora leben. In der Bundesrepublik Deutschland leben circa 1.900 Mandäer und zwar überwiegend in Nürnberg / Franken und München.

In der heutigen Zeit bezeichnen  wir uns als Mandäer, das bedeutet: Wissende und  Erkenntnis und im griechischen  „Gnostiker„.Mandäer wird von dem Wort manda abgeleitet, welches „wissen“ bedeutet. Im Irak und Iran  hingegen ist „ Sabäer „ die amtliche Bezeichnung. Sabäer bedeutet Täufer und wird von dem Wort sba= getaufte, die Waschenden, abgeleitet;  d.h. der Name Sabäer bezieht sich auf das wiederholte Untertauchen in fließendes Wasser.

Die Sabäer sind im Koran erwähnt worden. Der Koran bezeichnet sie als selbständige monotheistische Religionsgemeinde und obgleich sie an Allah glauben und Gutes tun, werden  sie in der heutigen Zeit von den meisten Muslimen im Irak und auch im Iran nicht als Angehörige einer der im Koran  (2.59;5.72;22.17) erwähnten Schriftreligion akzeptiert.  Wir werden fälschlicherweise auch als Anhänger von „Johannes dem Täufer„ bezeichnet. Er aber gilt bei uns, als der letzte Prophet der Mandäer und nicht als Begründer unserer Religion; unser Ursprung ist nicht von ihm herzuleiten; er hat die eigentliche Gemeinde nicht gegründet. Er wurde als Kind von einem Engel getauft und starb unserer Auffassung nach eines natürlichen Todes. „Jesus Christus„ wurde von ihm getauft.

Der Mandäismus ist eine alte, selbständige monotheistische,  nicht  missionierende  Religion. Wir verstehen den Mandäismus als eine Art Urreligion aus der Zeit Adams und Evas. Wir gehören weder zum Islam, noch zum Christentum oder zum Judentum. Jedoch gibt einige  Gemeinsamkeiten. 

Christliche Theologen sind vor allem an den Mandäern interessiert, um mehr über das frühere Christentum zu erfahren. Die Mandäer bekleiden beim Studium des neuen Testaments und vor allem des Johannesevangeliums eine wichtige Rolle. 

Geschichte:  
Wissenschaftlich ist unser Ursprung bis heute noch nicht geklärt. Unklar ist, ob wir aus Mesopotamien bzw. Babylonien oder aus dem Jordangebiet stammen.

Tradition:
Die Mandäertradition beruht auf religiösen Werken und Bräuchen, sie reicht Tausende von Jahren zurück.

Mandäische Traditionsliteratur:
Alle Schriften (in Büchern, Rollen und  Zauberschalen) sind bis auf wenige Ausnahmen religiöse Texte. Sie wurden auf Mandäisch handgeschrieben und besitzen 24 eigene originelle Buchstaben. (Mandäisch ist eine ostaramäische Sprache, ähnlich dem Aramäischen des babylonischen Talmud. Heute wird sie im Kult benutzt). 

Die wichtigsten Schriften sind:

a)    Der Ginza – Rabba (ein großartiges Buch). Es ist das wichtigste Buch der Mandäer; Es enthält die Glaubenslehren der Mandäer, es spricht von der Entstehung der Erde, der himmlischen Wesen und der Menschen; es enthält lehrhafte und moralische Teile; Die Offenbarung an Adam gehört zu den moralische Weisheiten. Es spricht  auch von der Taufe und dem Tod von Johannes dem Täufer. Außerdem belehrt es die  Mandäer über ihre Pflichten  und das Schicksal der Seele nach dem Tode; es enthält Prosastücke, die von Adams Tod sprechen und die mandäische Weltgeschichte.

b)    Das Johannesbuch (drasa d-Jahja) es enthält die Predigten und Belehrungen  Johannes des Täufers.

c)  Das Gebetsbuch (Qolasta) ist eine Sammlung von Hymnen und Gebeten für     Taufen, Hochzeiten und für die  masiqtha – Zeremonie (= die  Totenmesse).

d) Harran-Gawaitha bedeutet : das innere Harran. Sie ist die einzige Schriftrolle historischen Inhalts: Die geschichtlichen Ereignisse der Mandäer. Die Ur-Mandäer wurden im 70er Jahren des 1. Jahrhunderts aus Palästina zur Auswanderung gezwungen und wanderten nach Harran; von dort aus haben sie sich im Zweistromland verteilt. Wir glauben, dass es mehrere Massenauswanderungen der Mandäer gab. Auch heute noch.

Religion , Kult und Rituale: 

Charakteristisch für diese Religion ist:                                                       

Es gibt keinen Gründer dieser Religion.
Es herrscht keine Interesse an dieser Welt, da diese Welt zum Untergang bestimmt ist und das fromme Ziel die Rückkehr der Seele ins Reich des Lichtes ist. 

Grundsätze der Mandäer sind: 

I.     Wir glauben an einen Gott (Schöpfer), der „haiia„ = „der Lebendige„  genannt wird und der aus sich selbst entstanden ist.
II.    Der Kult ist die Grundlage des gesamten religiösen Lebens der Mandäer:
A. Die Taufe.   B. Die Hochzeit   C. Der Totenkult oder die Seelenmesse            
(masiqtha = Aufstieg).

I.  Nach der Religion der Mandäer besteht die Welt aus zwei Ebenen:                             

a)    Welt des Lichtes: sie wird von Gott  beherrscht (Haji) - der Lebendige -,   auch: der Lichtkönig  genannt; Er ist von  Lichtwesen umgeben den (= Uthri = Engel), die Ihn lobpreisen und die aus Ihm entstanden sind. Die Lichtwelt ist älter als die Finsternis.
b)    Welt der Finsternis (hshucka): Über die Entstehung dieser Welt  wird wenig  in den mandäischen Texten berichtet;  sie bestand aus dem (schwarzen / finsteren Wasser).  Diese Idee vom Schöpfungsmaterial ist altsemitisch. 

In den mandäischen Texten steht, dass das Licht, das Wasser, die Uthri und die Güte älter als die Finsternis sind;  das bedeutet eine Einschränkung des Dualismus. Licht und Finsternis sind bei den Mandäern zugleich: Gut und Böse.

Schöpfung:  
Gesegnet und gepriesen seiest du, mein Herr, du hoher Lichtkönig: Durch dein Wort wurde jegliches Ding. 

Die Erde entstand durch den Engel „ Ptahil„, der sie im Auftrag Gottes „haiia„ durch eine Verdichtung im finsteren Wasser erschuf.
Der beauftragte Uthra (= Engel) „ Ptahil“ erhält vom  Haji (= Schöpfer) folgenden Auftrag: „Dichte eine Verdichtung im schwarzen Wasser…;“ Ptahil -Uthra
machte sich auf… er trat in das trübe Wasser und warf die Verdichtung (msutha) hinein und somit entstand die Erde.

Es folgte der Auftrag zur Schaffung  des ersten Menschen: Adam - aus:
1.      Körper:  Der Körper Adams ist aus Lehm gemacht und  ein Produkt  des Geistes (ruha) von Ptahil  und den Mysterien der Planeten.
Die Planeten rufen die Elemente: Wind, Feuer und Wasser zur Erschaffung des Körpers.
2.     nischimtha = „Seele“ der Lichtwelt; nischimtha ist göttlichen Ursprungs. Der unbelebte Körper Adams wird durch nischmtha  belebt.

Eva wurde nicht aus Adams Rippe erschaffen, sondern  aus dem selben Lehmklumpen .  Die Engel (Uthra) manHaije und Hibil offenbaren Adam u. Eva das wahre Wissen, während die Planeten beide zum Irrtum verführen.

II. Kult: 

Die Mehrzahl der mandäischen Texte beschäftigt sich mit der Rettung der nischimtha (=„ Seele„) und ihrer Rückkehr in die Lichtwelt; sie bestimmt die zentrale Lehre und bildet auch den Hintergrund der Rituale . Die Mandäer müssen sich während aller Zeremonien gen Norden richten – der Gebetsrichtung; denn die Lichtwelt liegt im Norden; (diese Richtung wurde im alten Orient nachgewiesen). Musik wird bei den Mandäern streng abgelehnt.

Die Taufe (Masbuta) „Untertauchung„ aus dem Verb: sba  = untertauchen  in fließendes Wasser (Fluss) (mandäisch  Jerdina = Jordan); heute ist auch die Taufe im Taufbecken erlaubt.
Es handelt sich hierbei um eine Wiederholungstaufe, d.h. jeder Mandäer kann sich mehrmals im Leben taufen lassen und nicht nur ein einziges Mal, wie z.B. bei den Christen oder aufgrund eines festlichen Hintergrundes wie z.B. während einer Hochzeit. Die Mandäer sind der Auffassung, dass sie während einer Taufe der Lichtwelt am nächsten sind und dadurch auch die Vergebung aller Sünden erreichen können. 
Taufen finden nur am Sonntag (mandäisch: habschaba)  statt. 
Mandäer kennen Keine Buß- und Initiationstaufen; die Taufe reinigt die Seele und das Wasser den Körper.
Während der Taufe tragen der Täufling und  der Priester weiße Taufkleidung (Rasta). Der Priester taucht den Täufling dreimal ins Wasser. Die weiße Farbe ist das Symbol des Lebens.
Die mandäische Taufe wird als „Himmelsreise der Seele„, und als Brücke „Jerdena„ betrachtet. Die irdische Taufe ist das Abbild der himmlischen Taufe und zugleich das Symbol für die Zugehörigkeit der Seele zur Lichtwelt. Und sie ist die Voraussetzung für den Aufstieg der Seele nach dem Tode in die Lichtwelt.
Die Taufe gibt Heil und Glauben, sie vergibt die Sünden und schützt vor Dämonen.
Die erste Taufe (Kindertaufe) erfolgt am ersten Sonntag ca. 5 Wochen nach der Geburt des Kindes. Die zweite Pflichttaufe findet bei der Hochzeit statt.
Neben der Masbuta (der Taufe) finden auch Reinigungswaschungen = tamascha  statt.  Es handelt sich dabei um eine Selbsttaufe ohne Priester. Dabei taucht man dreimal im Jerdina unter; diese Waschungen können an jedem Wochentag nach Verunreinigungen vorgenommen werden, wobei die Taufe hingegen an den Sonntag gebunden ist.
Tamascha wird z.B. bei der Geburt vollzogen und während der Waschung von Sterbenden.  
Dieser mandäische Kult darf nicht mit einer Verehrung des Wassers verwechselt werden. Das lebende Wasser stellt bei den Mandäern ein kultisches Heilmittel aus der Lichtwelt dar.

Hochzeit: Alle Mandäer einschließlich der Priester haben die Pflicht zu heiraten. Die religiöse Vermählung darf nur unter der Leitung eines Priesters stattfinden. Diese Hochzeitszeremonie darf nur sonntags durchgeführt werden. Für die Mandäer hat die Eheschließung eine hohe Bedeutung, da sie durch die Heirat ihre Unreinheit verlieren.  Die Einehe ist vorgeschrieben; sie ist sogar Pflicht. Heirat und Kinderzeugung gehören zu den religiösen Pflichten der Mandäer.

Eine religiöse und ordnungsgemäße Hochzeit darf nur mit einer Jungfrau gehalten werden; anderenfalls findet eine andersartige Zeremonie statt, aber dies kommt nur selten vor.

1)    Den ersten Teil der Eheschließung, die nur Sonntags stattfinden darf, bildet die Taufe des Brautpaares, dabei tragen sie Rasta.

2)    Danach folgt die Bekränzung des Bräutigams mit dem Hochzeit  Klila. 

3)    Braut und Bräutigam trinken „Hamra„ = den Zeremoniewein; er besteht aus Traubensaft und Wasser; es handelt sich nicht um Wein. In der mandäischen Religion ist das Weintrinken  allen Priestern streng untersagt.

Die Ehescheidung ist nicht erlaubt. Nur nach dem Tod des ersten Ehepartners ist eine erneute Eheschließung gestattet. Außerdem ist sie bei Unfruchtbarkeit in einer Ehe zulässig.

Begräbnis: 
Nachdem man den Sterbenden mit dem Gesicht gen Norden gelegt hat, bekleidet man ihn  nach den üblichen Waschungen mit einem „Rasta„; danach wird eine „mandeltha„ aus Schilfrohr hergestellt, sie soll die Lebenden vor dem Tod schützen. Die Bestattungszeremonie darf erst 3 Stunden nach dem eingetretenen Tode beginnen.  
Dann wird der Tote von den hallalis zum Friedhof  zu seinem Grab getragen, wobei sein Kopf gen Süden und sein Gesicht gen Norden / Nordqibla zeigt. Mit Steinen auf dem Mund, die die Lebenden schützen sollen, wird der Tote dann in das Grab gelassen. Außerdem wird er mit Rasta versehen, damit die Dämonen ihm nichts anhaben können. 
Das Grab wird mit dem Skandola versiegelt. Erst nach drei Tagen wird das Siegel wieder entfernt.  Der zweite Tod bedeutet bei den Mandäern, dass die Seele des Geistes geht. Bei den  Frommen sind Seele u. Geist vereinigt.

Totenkult: 
Die Toten-Zeremonien:  (Kultische Mahlzeit), Eine weitere zentrale Zeremonie ist der Rettung der Seele nach dem Tode gewidmet.  Masiqtha = der Aufstieg findet 3 Tage nach dem Begräbnis statt; die Reise der Seele bis in die Lichtwelt dauert  45 Tage. Die Mandäer glauben an einen Boten, der alle Seelen nach dem Tode aus der Welt der Finsternis ins Lichtreich führt, aus der sie ursprünglich auch stammen; auch glauben sie an ein Endzeitgericht und an ein Leben nach dem Tod. Wir führen nur Erdbestattungen durch und Feuerbestattungen.

Jeder Mandäer hat ein Abbild seiner selbst in der Lichtwelt. Die Seele vereinigt sich nach dem Tod mit diesem Abbild.

Priesterschaft:  
In früheren Zeiten wurde das Priesteramt vererbt. Die Söhne der Priester wurden früh in den Beruf ihrer Väter eingeführt. Heute kann jeder Mandäer Priester werden. Die Priesterschaft existiert noch heute und hält an den alten Traditionen streng fest.  Sie bilden das Rückgrat der Gemeinde. Die Taufe, das Hochzeit- und Sterberitual können nur von ihnen durchgeführt werden . Alle Priester tragen goldene Siegelringe.

1)     Tarmida (der Jünger), er ist ein einfacher Priester. Um Tarmida zu werden,
muss man eine Woche,  von Sonntag bis Sonntag ohne Schlaf  bleiben . In diesen 7 Tagen  muss man sein Essen selbst zubereiten.

2)     Ganzibra,  der Schatzmeister kann mit dem christlichen Bischof verglichen werden.

3)   resh amma, das Oberhaupt des Volkes ist der einzige und höchste geistliche Würdenträger,
schaihk Abdullah, ist am 4.3.2010 in Holland verstorben. 

Feiertage und Feste: 
1)    Der Sonntag ist ein Feier- und Tauftag. Es darf keine Art von Arbeit verrichtet werden. Die Monatsnamen sind nach den zwölf Tierkreiszeichen benannt, daneben sind auch die assyrisch – babylonischen  bzw. jüdischen Monatsnamen  gebräuchlich.
Die Mandäer haben einen eigenen Sonnenkalender mit 12 Monaten und jeweils 30 Tagen.                                                                                                    

2)    Das Pangafest: findet im März statt; es dauert 5 Tage, die als fünf weiße Schöpfungstage angesehen werden.Während dieser Zeit lassen sich die Mandäer taufen und durch verschiedene weitere Zeremonien wird an die Seelen der Verstorbenen erinnert. Das Mandi muss geweiht und gewaschen werden. Die Türen zur Lichtwelt sind Tag und Nacht geöffnet.                                  

3)    Das Neujahrfest ist auch ein „Großes Fest„, dass Dahwa  rabba  genannt wird. Es findet im Juli statt. Bei diesem Fest muss jeder Mandäer zu Hause bleiben, da es ein 36-stündiges Ausgehverbot gibt. Zu Hause wird zusammen  gebetet und gefeiert. In diesen 36 Stunden ist die Welt ohne Schutz  bzw. ohne Schutzengel,  da sie während dieser Zeit in die Lichtwelt gehen, um „haiia„  Gott zu preisen und Ihm zu danken .

4)    Das Kleine Fest findet im November statt. Es werden Taufen und Totenmahle vorgenommen.

Der Moralkodex / religiöse Vorschriften:
Mord, Ehebruch, Diebstahl und Selbstmord sind strikt verboten. Auch die Beschneidung ist untersagt, der Mandäer würde durch sie seine Angehörigkeit zum Mandäertum verlieren. Im Irak wurden einige Male Mandäer zwangsbeschnitten. Es handelte sich dabei nicht um Ehrenmord.

Die Schlachtung:
Das Schlachten ist bei den Mandäern rituell geordnet. 
„Esset nicht das Blut der Tiere. Esset kein totes Tier... sondern schlachtet es mit Eisen, waschet, kochet und esset es...“ Blut darf allgemein weder geleckt, noch gesaugt werden; das gilt auch für Menschenblut. 
Die Schlachtung von Geflügel und Schafen, wobei nur männliche Schafe dürfen geschlachtet werden dürfen, unterliegt bestimmten Vorschriften. Allgemein gilt, dass Pferde, Kamele, Rinder, Schweine und wilde Tiere weder geschlachtet noch gegessen werden dürfen.

1) Es darf nur bei Tageslicht geschlachtet werden. 2) Nur Priester oder Hallali, fromme Mandäer, die die religiösen Vorschriften kennen und beachten, dürfen sie vornehmen. 3) Bei der  Schlachtung muss ein Zeuge ein Schganda, was soviel wie Diakone oder Priestergehilfe bedeutet mit einer Kopfbedeckung versehen anwesend sein. 4) Die Schlachtung wird durch einen Kehlschnitt ausgeführt, auch dabei ist wieder die Gebetsrichtung gen Norden, die Richtung der Lichtwelt, von großer Bedeutung.

Die  Fastenzeit: 
Für die Mandäer gibt es nur 36 über das ganze Jahr verteilte Tage, die als „unrein“ gelten und an denen sie deshalb keine Tiere schlachten und kein Fleisch, keinen Fisch und keine Eier essen dürfen. Im übertragenem Sinn bedeutet es auch, dass in dieser Zeit auch die Sinne, Hände und das Herz Enthaltsamkeit üben soll. Das Auge soll nicht Zwinkern, die Ohren nicht horchen, der Mund nicht lügen, das Herz keine bösen Absichten hegen und die Hände sollen sich vor Mord und Diebstahl hüten.

Mandi: 
Das Kulthaus, es ist das mandäische Heiligtum, ein Tempel eine Art Kirche. Diese Kulthäuser wurden fast  immer zerstört. Ein Mandi ist ein Ort für religiöse Zeremonien und muss an einem Fluss gelegen sein. Hier finden die Taufriten, Hochzeiten und Jahresfeste statt. Er bildet den Mittelpunkt der Mandäer- Gemeinden.  

Drafscha: Das bedeutet Wappen oder Holzfahne.  
Um Johannes dem Täufer zu danken, wurde sie Johannes- Fahne genannt. Sie ist das Symbol der Mandäer-Gemeinde . Es handelt sich um ein kreuzförmiges Gestell, über das ein weißes Tuch gehängt wird. Er gilt als Symbol der Lichtwelt. 

Maluasche: 
Jeder Mandäer muss zwei Namen tragen: Einen bürgerlichen, offiziellen Namen und einen religiösen, den Maluaschenamen, der ihm nach der Geburt vom Priester gegeben wird. Dieser wird nur bei Taufen und anderen Zeremonien verwendet.

Die Situation der Mandäer in der heutigen Zeit:
Die meisten von ihnen leben heute in der Diaspora, da alte und heutige Umstände und die andauernden Unterdrückungen sie zwangen den Irak und Iran zu verlassen und in vielen Ländern, auch in Deutschland, Schutz zu suchen.
Die genaue Zahl der Angehörigen dieser Religion ist unbekannt. Die meisten irakischen Regierungen haben sich immer geweigert, die genaue Zahl der Mandäer zu veröffentlichen. Es gab keine offiziellen Zählungen. Mandäer wird man nur durch die Geburt; Niemand kann zum Mandäertum  konvertieren. 

Jahrhundertlange Verfolgungen: 
Die Mandäer wurden zu allen Zeiten unterdrückt und verfolgt. In den religiösen Büchern der Mandäer wird über diese Verfolgungen berichtet.

1)  Im 1. Jh. n. Chr. wurden sie gezwungen aus Palästina auszuwandern. Sie gingen nach Harran in Syrien, das Gebiet gehört heute zur Türkei. Von dort aus haben sie sich dann nach Südbabylonien ausgebreitet, heute leben in diesem Gebiet nur noch ungefähr 4000 Mändäer. 

2) Im Mittelalter, im 17. Jh., erhielten die Mandäer von portugiesischen christlich-katholischen Missionaren den Namen „ Johanneschristen „. Die Missionare versuchten sie zum Christentum zu bekehren, dies wurde jedoch von den Mandäern abgelehnt .                                           

3)     Außerdem wurden sie in früherer Zeit von den Muslimen verfolgt. Heute findet ihre Verfolgung durch muslimische Extremisten statt.

Wenn Mandäer ihre eigene Religion nicht verleugen, werden sie ermordet, entführt, boykottiert und diskriminiert. Auch in der heutigen Zeit wird die Vergewaltigung einer Mandäerin im Irak nicht bestraft, da dies, nach muslimischer Überzeugung, als eine gerechtfertigte  Läuterung der Ungläubigen angesehen wird.
Die Mandäer gelten im Irak als Ungläubige und werden ständig zum Übertritt zum Islam gezwungen.

Die mandäische Religion verbietet jede Form von Gewalt und insbesondere das Töten und das tragen von Waffen. Insofern ist es Mandäern, die sich ihrem Glauben gemäß verhalten möchten, kaum möglich, sich selbst gegen Übergriffe zu verteidigen, was sie in besonderer Weise schutzlos macht.

Die Mandäer in Deutschland: 
In Deutschland wurden etwa 1.900 Personen aufgenommen. Vor allem in Nürnberg, in München leben ca. 600 Mandäer. Wir wurden als politisch Verfolgte anerkannt oder aus anderen humanitären Gründen unter Schutz gestellt. Für diesen Schutz sind wir sehr dankbar.

Um die Aktivitäten der Mandäer besser koordinieren zu können, wurden zwei mandäische Gemeinden gegründet und registriert, eine in Nürnberg und eine in München. Sie vertreten die Interessen der Mandäer.
Wie schon zu früheren Zeiten im Irak, pflegen die Mandäer auch heute in der Diaspora rege interreligiöse Kontakte mit allen Religionen.

Wir  bemühen uns darum, unsere Traditionen, Kultur und Religion zu bewahren und sie weiter zu entwickeln, damit das religiös-kulturelle Erbe des alten Zweistromlandes weiterleben und weitergegeben werden kann. Wir sind heute Zeugen der Vergangenheit – Zeugen der antiken Religionen.


Prof. Dr. Sabih Alsohairy

Vorsitzender
der mandäischen Gemeinde
in Deutschland / Nürnberg
Nürnberg, 8.3.2010

 

 

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