Eziden laden Prinz Tahsin Said Beg ein

Rund um Uetze, Ausgabe 33, 17. August 2011
Eziden laden Prinz Tahsin Said Beg ein
Die Ezidische Akademie hatte Prinz Tahsin Said Beg, das Oberhaupt der Eziden,
einmal mehr nach Uetze eingeladen. Êzîdî, andere Schreibweisen sind Jesiden oder
Yesiden, sind heutzutage eine religiöse Minderheit, obwohl ihre Religion zu den
ältesten der Welt gehört. Ihre Anhänger sind über alle Länder verstreut, eine größere
Verbreitung ist im kurdischen Irak zu finden. In Europa ist Deutschland das Land mit
den meisten Eziden, etwa 70000 leben hier. Die kurdischen Eszidi flüchten aus dem
Irak aber auch der Türkei oder Georgien, weil sie dort Übergriffen
fundamentalistischer Moslems ausgesetzt sind. Am 7. August nun war aus dem Irak
der Prinz der Eziden mit seiner Frau zu Gast in Uetze - im alten Restaurant Neuer
Garten, dessen Besitzer Homann die Lokalität einmal mehr zur Verfügung stellte.
Die Akademie, die mit ehrenamtlichen Kräften arbeitet, ist ein eingetragnen Verein,
der es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht hat, die Integration in Deutschland
zu fördern. Mittlerweile haben sich etwa 70 Mitglieder eingetragen, viele davon
Akademiker, in letzter Zeit wollen sich vermehrt auch Jugendliche beteiligen. Der
Verein finanziert sich und sein Bildungsangebot über Beiträge und Spenden, die teils
staatlicherseits oder von Stiftungen eingehen. Die Mitarbeiter stammen aus dem Irak,
Deutschland oder Schweden. „Wir sind eine kosmopolitische Gemeinschaft“, betont
der Uetzer Hatab Abdu Slo im Gespräch. Er ist Vorsitzender der Ezidischen
Akademie, die ihren Sitz in Hannover hat. Der Verein, der in seiner Satzung Deutsch
als offizielle Sprache festgelegt hat, bietet unter vielem anderen Lehrgänge an und
möchte das Ezidentum weiter erforschen und vor allem neu beleben. „Was nutzen
uns heute die uralten Regeln und Gesetze beispielsweise des Hammurabi? Wir
müssen uns anpassen, die ‚alte Haut abstreifen’, dabei die guten Traditionen
bewahren und doch den Weg zur Erneuerung finden“, sagte er weiter sinngemäß.
Das Ezidentum ist eine praktizierende Religion, das heißt, Kirchen oder
Gotteshäuser gibt es nicht. Zumindest nicht in Deutschland. Es gelten die Prinzipien
Gleichheit und Gerechtigkeit. Die gelebte Toleranz gehe über Nationalitätengrenzen
hinweg, „Es gibt keine Unterschiede“, versichert Hatab Abdu Slo, der sich auch im
Arbeitskreis „Menschenrechte für religiöse Minderheiten“ für diese Themen stark
macht. Ein angestrebtes Ziel der Ezidi sei es, die Erkenntnisse aus der Erneuerung
später in den Nahen Osten zu tragen, um auch dort einen Wandel in der Denkweise
der Menschen zu erreichen.
DER KOMMENTAR
Dass Integration möglich ist, zeigt das unauffällige Zusammenleben der ezidischen
Kurden mit ihren deutschen Mitbürgern, hier in Uetze wie in Hannover. Aber: Da
kommt das Oberhaupt der religiösen Gemeinschaft zu Besuch und weder von den
lokalen Politikern noch von den ansässigen Kirchen wird davon Notiz genommen.
Man stelle sich vor, es hätte sich der Dalai Lama angekündigt, oder auch nur ein
Landesbischof der hiesigen Kirchen. Hier wurde ein große Chance vertan, mit
integrationswilligen Migranten ins direkte Gespräch zu kommen. Vielleicht aber muss
so eine Begegnung an der Basis wachsen. Die Ezidi sind warmherzig, gastfreundlich
und aufgeschlossen. Eine Begegnung von Mensch zu Mensch wäre ein Anfang.
Ihre Redakteurin auf Zeit
B. Walz

Rund um Uetze, Ausgabe 33, 17. August 2011   

Die Ezidische Akademie hatte Prinz Tahsin Said Beg, das Oberhaupt der Eziden, einmal mehr nach Uetze eingeladen.

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Êzîdî, andere Schreibweisen sind Jesiden oder Yesiden, sind heutzutage eine religiöse Minderheit, obwohl ihre Religion zu den ältesten der Welt gehört. Ihre Anhänger sind über alle Länder verstreut, eine größere Verbreitung ist im kurdischen Irak zu finden. In Europa ist Deutschland das Land mit den meisten Eziden, etwa 70000 leben hier. Die kurdischen Eszidi flüchten aus dem Irak aber auch der Türkei oder Georgien, weil sie dort Übergriffen fundamentalistischer Moslems ausgesetzt sind. Am 7. August nun war aus dem Irak der Prinz der Eziden mit seiner Frau zu Gast in Uetze - im alten Restaurant Neuer Garten, dessen Besitzer Homann die Lokalität einmal mehr zur Verfügung stellte. 

Die Akademie, die mit ehrenamtlichen Kräften arbeitet, ist ein eingetragnen Verein, der es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht hat, die Integration in Deutschland zu fördern. Mittlerweile haben sich etwa 70 Mitglieder eingetragen, viele davon Akademiker, in letzter Zeit wollen sich vermehrt auch Jugendliche beteiligen. Der Verein finanziert sich und sein Bildungsangebot über Beiträge und Spenden, die teils staatlicherseits oder von Stiftungen eingehen. Die Mitarbeiter stammen aus dem Irak, Deutschland oder Schweden. „Wir sind eine kosmopolitische Gemeinschaft“, betont der Uetzer Hatab Omar im Gespräch. Er ist Vorsitzender der Ezidischen Akademie, die ihren Sitz in Hannover hat. Der Verein, der in seiner Satzung Deutsch als offizielle Sprache festgelegt hat, bietet unter vielem anderen Lehrgänge an und möchte das Ezidentum weiter erforschen und vor allem neu beleben. „Was nutzen uns heute die uralten Regeln und Gesetze beispielsweise des Hammurabi? Wir müssen uns anpassen, die ‚alte Haut abstreifen’, dabei die guten Traditionen bewahren und doch den Weg zur Erneuerung finden“, sagte er weiter sinngemäß. Das Ezidentum ist eine praktizierende Religion, das heißt, Kirchen oder Gotteshäuser gibt es nicht. Zumindest nicht in Deutschland. Es gelten die Prinzipien Gleichheit und Gerechtigkeit. Die gelebte Toleranz gehe über Nationalitätengrenzen hinweg, „Es gibt keine Unterschiede“, versichert Hatab Omar, der sich auch im Arbeitskreis „Menschenrechte für religiöse Minderheiten“ für diese Themen stark macht. Ein angestrebtes Ziel der Ezidi sei es, die Erkenntnisse aus der Erneuerung später in den Nahen Osten zu tragen, um auch dort einen Wandel in der Denkweise der Menschen zu erreichen.   

DER KOMMENTAR  
Dass Integration möglich ist, zeigt das unauffällige Zusammenleben der ezidischen Kurden mit ihren deutschen Mitbürgern, hier in Uetze wie in Hannover. Aber: Da kommt das Oberhaupt der religiösen Gemeinschaft zu Besuch und weder von den lokalen Politikern noch von den ansässigen Kirchen wird davon Notiz genommen. Man stelle sich vor, es hätte sich der Dalai Lama angekündigt, oder auch nur ein Landesbischof der hiesigen Kirchen. Hier wurde ein große Chance vertan, mit integrationswilligen Migranten ins direkte Gespräch zu kommen. Vielleicht aber muss so eine Begegnung an der Basis wachsen. Die Ezidi sind warmherzig, gastfreundlich und aufgeschlossen. Eine Begegnung von Mensch zu Mensch wäre ein Anfang. 

Ihre Redakteurin auf Zeit 
B. Walz

 

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