Flüchtlinge lernen gemeinsam Deutsch

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Sprachkursus im Küsterhaus der Kirchengemeinde steht allen Nationalitäten und Religionen offen

Von Sabine Szameitat

 

Die Ezidische Akademie und die evangelische Kirchengemeinde in Uetze bieten gemeinsam einen Deutschkursus für Flüchtlinge an. das Besondere: Unabhängig davon, ob den Menschen aus aller Herren Länder bereits das Bleiberecht zuerkannt ist, dürfen sie deutsch lernen.

Azad Elias Hame hat zwar ein Übersetzungsprogramm Arabisch-Deutsch im Handy, doch das reicht dem Röntgenassistenten aus dem irakischen Mossul, der seit vier Monaten in Uetze wohnt, nicht. Seit Anfang Mai besucht er zusammen mit zwölf anderen Flüchtlingen aus Afghanistan, Syrien, Serbien, dem Irak, dem Iran und dem Kosovo zweimal wöchentlich einen Sprachkursus im Küsterhaus. Nationalität oder Religion spielen keine Rolle. „Viele der jetzt 169 Menschen, die hier in Uetze angekommen sind, wollen gern Deutsch lernen, bekommen aber keinen Integrationskursus, weil ihr Aufenthaltsstatus nicht gesichert ist“, erklärt Hatab Omar von der Ezidischen Akademie, die den Kursus mit Unterstützung der Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer anbietet. Er habe ebenfalls freiwillig bei ehrenamtlichen Lehrern Deutsch gelernt, als er noch im Asylbewerberheim Wolfsburg auf seine Anerkennung wartete. „Man kann allein einkaufen gehen und Arztbesuche oder Behördengänge ohne Dolmetscher erledigen. DeutschkursUnd es schadet ja nichts, eine Fremdsprache zu lernen, selbst wenn man nicht bleibt.“ „Wir können die Flüchtlinge, die zu uns kommen, doch nicht einfach links liegen lassen“, sagt Diakonin Karin Lawrenz-Maier. „Bislang gibt es noch kein derartiges Angebot in Uetze, und wenn sie kleine Kinder haben, können sie ja nicht nach Burgdorf oder Lehrte fahren, um Deutsch zu lernen.“ Heute erklärt Lehrerin Anna Meininger aus Dedenhausen, die selbst aus Russland stammt, die Buchstabenkombination „ch“ und die Unterschiede in deren Aussprache. Die Krankenschwester Aleksandra Ibric aus einem Dorf bei Leskovac in Serbien kommt schon gut mit der neuen Fremdsprache klar. Zohra Sediqi aus Afghanistan will ihren Kindern bei den Hausaufgaben helfen können. „Deshalb will ich sprechen und lesen lernen“, sagt die 38-Jährige. Feisal Habib (Name von der Redaktion geändert) will das ebenfalls. Aber er lernt Deutsch auch für sich selbst. „Ich habe in Afghanistan für die UN gearbeitet und muss nach dem Abzug der Truppen die Rache der Taliban fürchten“, berichtet er. Sein damals vierjähriger Sohn sei entführt und erst gegen die Zahlung von Lösegeld freigelassen worden.

 

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