Workshop Wochenenden: Die ausgeblendete Vielfalt - Aufklärerisches Denken in den Kulturen Vorderasiens -

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Fundamentalisten und Fundamentalistinnen der unterschiedlichen Fraktionen, seien es rechtspopulistische oder rechtsradikale Bewegungen oder islamistische Organisationen, leben von Vereinfachungen und Vereindeutigungen. Die Leugnung von Diversität und Vielfalt insbesondere auch in der eigenen Kultur, der Kampf gegen diese Vielfalt bis hin zu Gewalt sind ein zentrales Merkmal dieser Ideologien. Die Fremdheit der Anderen und die Gleichheit der Eigenen und die Intoleranz gegen alle Abweichungen von dieser Fiktion sind zwei Seiten desselben Denkens.

Um dieser Ausblendung komplexer Realitäten und der Leugnung der Vielfalt realer Gesellschaften entgegenzutreten wollen wir in diesem Projekt Beispielhaft aufklärerische Diskurse aus den Regionen, die aus europäischer Sicht als “islamischer Kulturraum” oder als “arabischsprachiger Raum” bezeichnet werden und doch vielmehr an Kulturen und Religionen umfassen als diese, diskutieren und für eine Broschüre und Ausstellung aufarbeiten.

Ausgeblendete Vielfalt

Dabei werden wir mit Flüchtlingen und Menschen mit familiärer Migrationsgeschichte dieser Regionen aus den unterschiedlichen Kulturen und mit unterschiedlichen weltanschaulich bzw. religiösen Anschauungen zusammenarbeiten. Gemeinsam wird so eine Ausstellung entstehen, die mit einigen Beispielen als Ausgangspunkt für weitere Diskussionen und Veranstaltungen dienen soll. Wir werden diese ab Ende Mai an unterschiedlichen Orten der Stadt und der Region Hannover präsentieren.

Uns ist dabei im Vorhinein klar, dass wir mit diesem kleinen Projekt nur einen sehr kleinen Ausschnitt der komplexen gesellschaftlichen Realität einer extrem diversen Region erfassen werden können. Unsere Anspruch ist insofern nicht Umfänglichkeit, sondern einige interessante Ansatzpunkte darzustellen.
Die Auswahl der in der Grafik oben präsentierten Menschen ist dabei nicht als Vorauswahl zu begreifen, obwohl sie bereits interessante Beispiele darstellen. Links im Bild ist İbrahim Şinasi (* 1826 in Konstantinopel; † 13. September 1871 ebenda) zu sehen ein osmanischer Autor, Journalist und Übersetzer und Vertreter aufklärerischen Gedankenguts, und eine von ihm herausgegebene Zeitung. In der Mitte unten ist Fatma Aliye Topuz (* 1862 in Istanbul; † 1936 ebenda) abgebildet, eine türkische Autorin und Frauenrechtlerin. Rechts oben sieht die Betrachter*in die ägyptische Feministin Nabawiyya Mohamed Musa Badawia (* 1886; † 1951) und eine ägyptisch feministisches Magazin aus dieser Zeit (1925 bis 1940). Im Hintergrund ist Ibn Rushd – Averroes – (* 1126; † 1198) zu sehen, ein auch für die europäische Aufklärung bedeutender andalusischer Philosoph.
Dies nur um einige Beispiele aufzuzeigen. Wir wissen noch nicht, welche Auswahl wir in der Ausstellung präsentieren werden, jedes Beispiel umfasst aber notwendiger Weise Licht und Schatten. Vergleichbar ihren europäischen Pendants, die nicht selten Rassismus und Kolonialismus befördert haben, gilt auch für diese Aufklärer*innen, dass sie neben sehr positiven Gedanken immer auch Dinge vertreten haben, die das Gegenteil des Respektes vor der Menschenwürde und dem aufklärerischen Denken abbilden. Wir wollen diese Ambivalenzen nicht verschweigen, sondern sie als Teil des Entwicklungsprozesses darstellen.

Das Projekt führen wir zusammen mit der Ezidischen Akademie und dem Soziologen und Schriftsteller Tengezar Marini durch. Die Wochenendworkshops in denen wir die Ausstellung entwickeln wollen werden am 9./10. März und am 30./31, März in den Räumen der Ezidischen Akademie stattfinden. Sie stehen für Interessierte offen. Bitte kontaktieren Sie bei Interesse an den Workshops oder an der Ausstellung die Projektleitung im Kulturzentrum Faust: Jörg Djuren – 0511 / 45 50 01 – Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Wir danken dem Gesellschaftsfond Zusammenleben der Stadt Hannover für die Förderung dieses Projektes.

Landeshauptstadt Hannover Gesellschaftsfonds

 

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